Eine kleine Leseprobe zwischendurch :)



„Wie?“ Taylor blickte Mira erstaunt an, doch warf sofort ein: „Lenkst du gerade von dir ab?“
„Nein, nein. Du hast ja Recht. Mit allem. Du hast Recht, aber diese Beobachtung, die ich in diesem Moment gemacht habe – Sie hat sich Feinde gemacht, das Wie tut nichts zur Sache. Jedenfalls war sie plötzlich so skrupellos, nicht wiederzuerkennen. Wie sie diesen Mann, der sie angegriffen hat, bedroht hat. Sie schwor Rache und als sie das tat, hatte ich das Gefühl, dieser Hass, diese Wut würden sie verschlingen. In diesem Augenblick wusste ich, dass von ihr nichts mehr übrig bleiben würde, wenn sie diesen Weg beschreitet. Ich habe keine Angst davor so zu werden, was soll ich noch fürchten? Aber wir dürfen nicht unterschätzen, was aus uns wird, wenn uns der letzte Tropfen Genugtuung verschlingt. Wenn ihr das zustößt, wird sie blind vor Hass handeln, töten, foltern. Sie wird das Gefühl haben, das Richtige zu tun und nicht einmal im Unrecht sein, doch jeden Feind auf den letzten Tropfen ausbluten zu lassen, macht nichts mehr rückgängig. Es gibt uns nur die Kontrolle über die, die sie uns nahmen. Ich weiß nicht, was mich davon abhält, mich diesem Gefühl hinzugeben. Als ich sah, wie Hanna dieses Gefühl auslebte, sah ich das, was ich sein wollte und dennoch weiß ich, dass niemand nach diesem einen Rache-Kick es schafft, sich zu bremsen und eines Tages Feind vom Opfer zu unterscheiden, denn jeder hat seine eigene Wahrheit und jedes Unrecht wird als Recht verkauft. Woher weiß ich, ob mein Handeln Recht oder als Recht maskiertes Unrecht ist? Wenn man ein Mal von diesem Gefühl überwältigt wird, bleibt der Instikt zu zerstören und wenn man Glück hat, die Gewissheit, dass man diese Grenze ohne Konsequenzen überschreiten konnte. Was soll uns noch stoppen, wenn wir wissen, dass wir Gewalt ausüben können, ohne eine Strafe zu fürchten? So kommen Serienmörder zu Stande in einer Welt, die voller Hass, Schmerz und Grausamkeit ist, wenn man erkennt, dass man selbst auch das Böse auf der Welt sein kann. Besser wird man zum Täter, um aufzuhören das Opfer zu sein. Hanna ist kein Monster, kein bisschen, doch niemand wird als Monster geboren – Monster werden erschaffen.“

(Manuskriptseite 145)

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