Selfpublisher aus eigenen Stücken



Zu Beginn dieses Blogs habe ich sofort die Ansage gemacht, Self Publisher werden zu wollen. Diese Entscheidung möchte ich an dieser Stelle beleuchten. Vorab sei gesagt, dass es sich hierbei um meine ganz persönliche Stellungnahme zu diesem Thema handelt. Ich möchte Verlage keineswegs verteufeln. Für viele sind sie sicherlich genau das Richtige. Es ist eine Entscheidung, die jeder für sich treffen muss.

In meiner ursprünglichsten Vorstellung gab es nur das gedruckte Buch. Das mag sicherlich daran liegen, dass ich sehr spät mit dem Internet in Berührung gekommen bin. Während meine Mitschüler schon teilweise mit 12 ihren eigenen Laptop hatten, war ich mit 16 noch mit der Vorstellung überfordert, meine E-Mails zu öffnen. Aber auch obwohl ich mit dem Internet inzwischen lange vertraut bin, hat es lange für einen Paragidmenwechsel in meinem Kopf gebraucht.
So war für mich ein Buch, das man nur im Internet bestellen kann, irgendwie vom Gefühl her kein richtiges Buch, doch dann begann ich – erst vor einigen Monaten – zu recherchieren und kam auf eine Seite mit folgendem Inhalt:

„Der Verlag übernimmt das Lektorat und die Werbung.“
- „Ja perfekt!“, dachte ich mir. Buch schreiben, einreichen und zurücklehnen. Der Verlag würde die restliche Arbeit schon übernehmen, doch dann las ich weiter...

 „Der Verlag sucht das Cover aus und ändert unter Umständen den Titel. Manche Stellen werden vom Lektoren gekürzt...“
Es hat lange gedauert, bis ich meine Kinnlade wiedergefunden habe, denn sie wahr gefühl an das andere Ende das Raums gerollt. Mir fiel buchstäblich das Handy aus der Hand. Ich machte einen Scrennshot, brauchte erstmal einen Kaffee, las es nochmal. Natürlich hatte sich der Inhalt der Seite nicht verändert. Ich brauchte schon schnell ein Glas Wein, doch der Inhalt änderte sich sicherlich nicht durch meine Getränkewahl. Schließlich betrachtete ich andere Seiten und ja, es stimmte. Der Verlag kann so etwas machen. Damit war für mich eine Welt zusammengebrochen. Ich wurde wütend. Nein, ich ließe doch nicht irgendeinen Hans Wurst an meinem Buch herumdoktern, ICH bestimme das Cover; ICH bestimme, welche Inhalte bleiben und verdammt nochmal ICH bestimme den Titel!
Damit waren die Würfel gefallen.

Möglicherweise liegt der Entschluss innerhalb meines Charakters. Man möge mich einen Kontrollfreak schimpfen, aber nein, ich komme gar nicht damit klar, wenn jemand in meine Arbeit reinpfuscht, wenn jemand die Wäsche anders aufhängt als ich es täte etc. Bei einem Buch, in das ich so viel Arbeit reingesteckt habe, reagiere ich entsprechend erst richtig allergisch.
Ich will alles in der Hand haben und die Entscheidungen treffen.

Hinzu kommt noch ein weiterer meiner Charakterzüge: Stolz.
Als ich las, wie oft Twilight von Verlagen abgelehnt wurde, konnte ich es kaum fassen. Ich mag dieses Vampirliebeszeug nicht, aber wenn man bedenkt, wie viele andere Personen es toll finden, so hätte das Potenzial doch einem Dutzend Verlagen auffallen müssen. Auch Gespräche mit anderen Personen zeigten mir, dass man als Autor praktisch mit den Füßen getreten wird. Sicherlich nicht aus Boshaftigkeit der Verlage, sondern weil die Kapazitäten begrenzt sind. So viele senden ihre Manuskripte ein und die Verlage sind überlastet.
Ich habe überhaupt keine Lust darauf, mir diesen Höllengang anzutun. Wieso sollte ich? Um in einem Buchladen zu liegen? Natürlich wäre es ganz, ganz toll. Wenn mein Buch in einem Bücherregal stünde, würde ich praktisch vor Freude in die nächstgelegene Buchhandlung einziehen und jeden potenziellen Leser anspingen^^
Aber lasst uns mal ehrlich sein – Buchläden sterben aus. Ein Kindle ist für die meisten Personen praktischer und günstiger. Ich will Amazon ja nicht dafür anhimmeln, dass es dem Buchhandel das Genick nach und nach brechen wird, sondern denke lediglich logisch, versetze mich in die Lage des Lesers... Weniger Geld ausgeben und weniger Gewicht rumschleppen dank einem elekronischen Gerät klingt für mich nach einer optimalen Alternative. Die Zeiten ändern sich und potenzielle Autoren sollten mit der Zeit gehen, auch wenn uns der Wandel von Gefühl her noch so intuitiv falsch oder einfach nur traurig erscheint. Das ist unsere Zeit, unsere Welt. Wir haben keine andere und wir Autoren können uns keine Realität schaffen, die uns besser passt. Unsere Konstrukte bleiben nur Schrift auf Papier... oder einem Bildschirm.  Wo Wandel ist, sind auch neue Möglichkeiten, deshalb ja, ich möchte Selfpublisher werden, ohne nur einen einzigen Verlag anzuschreiben! :)

(und hoffe insgeheim auf den Tag, an dem mich ein Verlag anspricht und ich stolz sagen kann: „Das ist nett von Ihnen, aber was können Sie mir bieten, was ich selbst nicht erreiche?“ Passiert bestimmt nicht, wäre aber klasse :D)

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